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Weihnachtsansprache von Bürgermeister Erwin Esser

Weihnachtsansprache von Bürgermeister Erwin Esser

Liebe Wesselingerinnen und Wesselinger,

Weihnachten und die Zeit bis Neujahr bringen uns ein paar Tage Besinnlichkeit, ein paar Tage zum Innehalten und Aufatmen. Wir haben Zeit, uns auf uns selbst zu besinnen und auf das, was uns im Leben wichtig ist. Wir können eine Bilanz der letzten Monate ziehen, um für die Zukunft gewappnet zu sein.

Vieles davon, was ich gerade geschrieben habe, mutet in diesem so besonderen Jahr seltsam an und vor allem wenig besinnlich. Haben wir uns nicht schon monatelang gezwungenermaßen damit beschäftigt, was wichtig ist – oder wie man dieses Jahr sagt, was von infrastruktureller Bedeutung ist? Haben wir in diesem Jahr nicht schon mehrfach entscheiden müssen, mit wem, der uns am Herzen liegt, wir uns treffen oder besser nicht? Haben wir nicht schon viele Wochen vorrangig Zuhause verbracht; meist unter Mehrfachbelastung und ohne jede Spur von Innehalten und Aufatmen? Nun kommt der harte Lockdown und wir müssen in den Weihnachtsferien noch einmal richtig die Bremse anziehen.

Von der Pandemie und ihren Folgen sind wir alle betroffen. Viele sprechen von der größten Herausforderung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Das ist sicher viel Wahres dran, was die Bedrohung für unsere Gesundheit, für unsere Wirtschaft, für den sozialen Zusammenhalt betrifft. Trotzdem gefallen mir solche Vergleiche zunehmend weniger, sind sie doch Teil der Kommunikationskultur, die über den Sommer in vielen Städten unsere Gesellschaft gespalten hat. Die Verhältnismäßigkeit ist zwischenzeitlich aus den Fugen geraten. Viele kämpfen um ihre Existenz, ums nackte wirtschaftliche oder tatsächliche Überleben oder in den Krankenhäusern um das Überleben ihrer Mitmenschen und selbstverständlich macht sich Verzweiflung breit. Und dann gibt es andere, die wirtschaftlich noch nicht betroffen sind oder die keine Kinder haben und deshalb keinen Betreuungsnotstand kennen und eigentlich keine anderen Sorgen haben als eine Maske zu tragen, sich regelmäßig die Hände zu waschen und auf Freizeitgestaltung zu verzichten und das dann als Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit betrachten. Dafür habe ich keinerlei Verständnis. Diese Pandemie ist eine Herausforderung für uns alle und zwischen den beiden beschriebenen Extremen gibt es so unendlich viel mehr Sorgen und Probleme. Nach jetzt etwas mehr als neun Monaten Marathon sind wir alle müde geworden. Das Verständnis schwindet bei vielen. Der Ton wird rau. Das verstehe ich. Aber ich bitte Sie, lassen wir das nicht zu! Halten wir durch. Durchbrechen wir die Kette. Seien wir solidarisch und tragen wir alle das bei, was wir beitragen können.

Wo bleibt das Positive? So wird oft gefragt angesichts der Fülle negativer Schlagzeilen. Das Positive, liebe Wesselingerinnen und Wesselinger, ist hier zu finden: in Ihrem Engagement für Ihr Umfeld.

Die Unternehmen, die uns mit Desinfektionsmitteln und Schutzmasken unterstützen, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen flexiblen Arbeitsalltag ermöglicht haben.

Die Handwerksbetriebe, die Waschbecken in Klassenräume und Spuckschutze in Büros eingebaut haben.

Die Bürgerinnen und Bürger, die für ihre Nachbarschaft eingekauft und für die sozialen Einrichtungen Masken genäht haben.

Die Vereine, die sich Online-Aktionen für ihre Mitglieder haben einfallen lassen.

Gerade dieses Jahr hat gezeigt: In Wesseling gibt es viel uneigennütziges Engagement. Das sind unsere Stärken, das gibt uns Anlass, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Sie alle tun etwas für Ihre Mitmenschen und für unsere Stadt. Sie alle machen vielleicht keine Schlagzeilen, aber sie bewegen viel für Wesseling. Und Ihnen allen möchte ich an dieser Stelle vielmals danken. Menschen, die Verantwortung übernehmen, machen Wesseling trotz der Pandemie wärmer und freundlicher. Es gibt viel bürgerschaftliches Engagement in unserer Stadt und in unserem Land, mehr, als man manchmal meint, wenn soziale Kälte oder Kriminalität die Schlagzeilen beherrschen. Die Menschen, die sich für karitative Organisationen, in Vereinen oder in der Nachbarschaftshilfe engagieren, machen keinen Gewinn im wirtschaftlichen Sinne – sie machen einfach das, was sie für richtig halten oder als nötig empfinden. Sie bewegen etwas im Sport oder in der Kultur, sie helfen Bedürftigen oder verschaffen anderen ihr Recht.

Die allermeisten Menschen in unserem Land feiern Weihnachten, auch diejenigen, die seinem christlichen Gehalt fernstehen. Aber sie schätzen das Brauchtum oder die Werte, die sie mit Weihnachten verbinden. Werte, die sich auch in anderen Religionen oder Weltanschauungen finden. Überall auf der Welt sind Frieden und Mitmenschlichkeit hohe Güter, überall auf der Welt setzen sich Menschen für sie ein und beweisen dabei oft eine bemerkenswerte Zivilcourage.

Weihnachten ist ein Fest, das hier von allen Menschen begangen wird, ganz gleich, wo sie herkommen, ganz gleich, ob sie einer oder welcher Religion sie angehören. Denn Weihnachten hat als Fest der Besinnlichkeit und des Schenkens, als Fest der Zuwendung zu anderen eine starke, eine über Jahrhunderte unverminderte Ausstrahlung.

Weihnachten ist bei uns traditionell ein Familienfest, wenn auch in diesem Jahr in sehr eingeschränktem Rahmen. Deshalb gehen unsere Gedanken gerade jetzt zu denen, die auch an den Feiertagen im Einsatz sind: bei der Feuerwehr, im Rettungsdienst, in den Krankenhäusern und den Pflegeheimen. Danken möchte ich allen, die an den Feiertagen arbeiten und selbst am Heiligen Abend für alle anderen den Betrieb aufrechterhalten, und nicht zuletzt allen Menschen, die sich gerade an Weihnachten um andere, um Bedürftige oder Alleinstehende kümmern.

Auch den Kolleginnen und Kollegen aus der Verwaltung gilt zum Ende dieses Jahres mein großer Dank. Sie haben seit März zum Teil im Stundentakt Probleme lösen müssen, von denen wir kurz zuvor noch nicht mal wussten, dass sie existieren, und dabei immer alles dafür gegeben, dass die Bürgerinnen und Bürger so wenig wie möglich missen müssen, dass Einzelfalllösungen gefunden werden konnten, dass die Kita-Beiträge, die erlassen wurden, auch zügig erstattet wurden, dass Trauungen mit so vielen Gästen wie möglich stattfinden konnten, dass die Gastronomien so viele Plätze wie möglich anbieten konnten. All das immer unter riesigem Zeitdruck, weil Änderungen der Schutzverordnungen häufig am Freitagabend kamen und ab Montag galten. Viele Kolleginnen und Kollegen hatten kaum Urlaub und haben sieben Tage die Woche Überstunden gemacht. Dieses Jahr war für uns eine große Kraftanstrengung. Ich finde, wir haben sie mit Bravour bestanden. Wer Kritik äußern möchte, tut das so oder so. Wir haben alles gegeben. Darauf bin ich stolz und dafür bin ich dankbar.

Bilanzen haben stets zwei Posten, sie haben Positives wie Negatives zu vermelden. Das ist auch bei Ihnen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, so, wenn Sie Ihre persönliche Summe des vergangenen Jahres ziehen oder sich die Ereignisse der letzten Monate nochmals vor Augen führen. Aber unsere Gesellschaft ist keine AG, sondern eine Gemeinschaft von Menschen; sie wird nicht von Zugewinnen zusammengehalten, sondern von Werten. Von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, von Solidarität und Mitmenschlichkeit.

Alle Menschen sind gleich und alle haben gleiche Rechte, auch das ist ein Grundsatz, an den Weihnachten erinnert. Es ist ein christliches Fest, doch die Werte, von denen es spricht, werden auch von anderen Religionen hochgehalten oder von Menschen, die sich einem humanistischen Gedankengut verpflichtet fühlen. Alle Völker und Religionen schätzen Frieden und Mitmenschlichkeit. Und alle, die sich dafür einsetzen, zeigen, dass diese Werte Bestand haben, dass sie nach wir vor gültig sind und eine Richtschnur unseres Verhaltens bilden.

Weihnachten ist das Fest des Friedens und der Nächstenliebe, aber auch ein Fest, das Freude und Hoffnung, das neue Kräfte schenkt. Und die haben wir dieses Jahr alle nötig.

In diesem Sinne, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wünsche ich Ihnen ein frohes Fest und alles Gute für das neue Jahr.

Ihr
Bürgermeister Erwin Esser

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